Die Wipperliese

KBS 337 Klostermansfeld-Wippra

Erst 1921 entstand diese Nebenbahn und gehörte zu den letzten Nebenstreckenneubauten vor der Gründung der Deutschen Reichsbahn. Schon immer war der Tourismus eine wichtige Grundlage für die Bahn, dass änderte sich auch nach 1945 in der DDR nicht. Seit der Wende sanken jedoch auf der Strecke Klostermansfeld-Wippra die Fahrgastzahlen und auch am Erhalt des Oberbaus wurde nicht mehr viel getan. Bahnhöfe wurden nicht mehr besetzt und verfielen und die bisher treuen Urlauber blieben aus und verbrachten erst einmal woanders ihre "schönste Zeit" im Jahr. Das Schicksal der Strecke schien mit ca. 50 Fahrgästen am Tag besiegelt zu sein.

Doch mit dem politischen Wandel im Land Sachsen-Anhalt zog zur rechten Zeit der Bahn Privatisierung auch eine neue Verkehrspolitik ein. Der anhaltinische Verkehrsminister Heyer hatte sich zur Aufgabe gestellt, dass Nebenbahnnetz flächendeckend zu erhalten und ließ u.a. Konzepte erarbeiten, wie dies umgesetzt werden kann. Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH erarbeitete deshalb im Auftrag der Landesregierung ein Konzept, welches als das Flächenbahnkonzept bekannt wurde. Dieses Konzept gab die Grundvorraussetzung und die Umsetzung des SPNV im Ergänzungsnetz in bestimmten Formen vor. Gleichzeitig mußte man aber auch erkennen, daß nicht alle Strecken zu erhalten waren. Bestimmte Voraussetzungen wie Siedlungsdichte und Strassennetzdichte, konnten Bestimmend für Streckenerhalt oder Abbestellung sein.

VT406 in den ersten Einsatztagen

Die "Wipperliese" führt durch das romantische Flußtal der Wipper. Hier gibt es im Tal keine parallelen Strassen. Die Hauptstrasse ist weit entfernt und dadurch herrscht eine angenehme Ruhe im Tal, was sehr reizvoll für Wander- und Naturfreunde ist. Doch die DR und auch die DB AG haben es Anfang der 90er Jahre nicht erreicht, daß Ausflügler, Urlauber aber auch der Einheimische die Bahn wieder benutzten. Konzepte mußten her, daß der Tourismus in der Region als neuer Arbeitgeber - die alte Hüttenindustrie existiert nicht mehr - so richtig in Fahrt kommt. Damit diese das Wippertal gut erreichen, mußte die Bahn unbedingt erhalten werden, aber die derzeitige Betreiberform war nicht zufriedenstellend.

Aus der ehemaligen Werkbahn des Mansfeld Kombinates entstanden schließlich die Mansfelder Transport GmbH (MTG), die Mansfelder Lokomotiv- und Wagenwerkstatt (MaLoWa) und schließlich die Kreisbahn Mansfelder Land (KML). Schon im Sommer 1996 übernahm die KML mit ihren eigenen V60 den von der DBAG zur Einstellung vorgesehenen Güterverkehr. Leider ist dieser bis heute fast ausschließlich auf den Holztransport beschränkt. Weitere Güterkunden wären daher nicht uninteressant. Der KML hat aber auch weitere Geschäftsfelder zu bieten, denn ihr gehören die Gleise des ehemaligen Anschlußbahnhof in Helbra. Diese werden u.a. an die VTG vermietet, welche ihre Kesselwagen hier günstiger als bei der DB abstellen kann. Dann können auch Vereine oder andere Privatunternehmen ihre Fahrzeuge bei der KML einstellen.

Das Wipperviadukt in Mansfeld

Die MaLoWa arbeitete im Auftrag der KML den ersten Triebwagen der Bauart "Esslingen" auf mit der Nr. VT 406. Mit diesen übernahm die KML am 28. September 1997 den Reiseverkehr auf der KBS 337 im Auftrag der DBAG. Neben dem neuen Triebwagen war man auch an der Verbesserung des Fahrplanangebotes interessiert und wollte mit neuen Angeboten neue Fahrgäste für diese Bahnstrecke gewinnen. Wäre es nicht zu diesem neuen Angebot gekommen, gäbe es mit Sicherheit die "Wipperliese" nicht mehr.

Nach und nach gab es Verbesserungen im 2 Stundentakt, so wurden die Leerfahrten in den Tagesrandlagen auch für Fahrgäste freigegeben. Neue Haltepunkte konzipiert und eröffnet wie auch gemeinsame Fahrkartenangebote von KML und der Parkeisenbahn Vatterode geschaffen. Im November 1997 wurde der Haltepunkt Helbra in Betrieb genommen, der zu bestimmten Anlässen bedient wurde und inzwischen Saisonal Sonntags regelmäßig bedient wird. Als weitere Verbesserung wurde die Verknüpfung von Bus und Bahn vorgesehen. Hierfür sollte gegenseitig die Tarife anerkannt werden und die Bushaltestellen entsprechen in die Nähe der Bahnhöfe verlegt werden.

Die Ablösung - die DB geht und die KML kommt.

Im Februar 1998 wurde der zweite "Esslinger" in Betrieb genommen, allerdings noch mit der Betriebsnummer 104 - inzwischen hört er auf den Namen "VT 407". Allein im ersten Geschäftsjahr konnte die KML den Fahrkartenverkauf um das 8-fache steigern. Dies war auch nötig, damit der bis zum 31.12. 1999 befristete Bestellauftrag verlängert wird. Mit den vorliegenden Fahrgastzahlen hatte die KML die Vorstellungen der NASA sogar übertroffen.

Im Oktober 1998 wurde als Ergänzung der Tourismusangebote, ein alter englischer Doppeldeckerbus in betrieb genommen, der inzwischen zum "Wipperhansl" getauft wurde.

Um weitere Fahrgäste für die Strecke zu gewinnen und um deren langfristigen Erhalt zu sichern, mußte die Strecke vollständig im Oberbau erneuert werden. Die Arbeiten begannen ab September 1998 und wurden bis September 1999 mit Unterbrechungen durchgeführt. In den Pausen der Streckenarbeiten fuhren die KML-Triebwagen auf ihrer Heimatstrecke, ansonsten wurde SEV angeboten und die KML befuhr die KBS 336 Hettstedt-Gerbstedt.

Nicht einfach war die Umsetzung der Haltestellenkonzeption, da auch die Kommunen und Gemeinden sich finanziell an der Herrichtung der Anlagen beteiligen müssen. So wurde bisher der Haltepunkt Vatteröder Teich neu angelegt, wie auch der Haltepunkt Helbra. Folgen sollen noch die Haltepunkte Einkaufszentrum Klostermansfeld; Klostermansfeld "Schöne Aussicht" und Mansfeld Schloß. Diese Anlagen dienen den Touristen, aber auch der einheimischen Bevölkerung. Künftig soll in Wippra ein Anschlußbus zur HSB nach Harzgerode oder Alexisbad führen und es entsteht eine Lückenlose Angebotskette von Eisleben in den Harz. Das Wippraer Bahnhofsgebäude soll nach Vorstellung des Gemeindevorstandes zu einem Erlebnisbahnhof mit Gaststätte, Fahrradausleihstation und Fremdenverkehrsinformation ausgebaut werden.

Grosse Feier nach der Streckensanierung

Durch die Bauarbeiten konnte die ursprüngliche Fahrzeit von 46 Minuten auf 37 Minuten gekürzt werden. Im Dezember 1998 stellt die KML gleichzeitig noch ihren neuen VT 408 vor, welcher auch als "Salon-Triebwagen" bezeichnet wird. Die Modernisierung dieses Fahrzeuges ging weiter als bei den vorangegangenen VT, er erhielt große Automatik Türen und einen Lift für Rollstuhlfahrer. Die Motoren und das Getriebe wurden ebenfalls modernisiert. Auch innen hat sich einiges getan, so ist der VT 408 mit einer Bordküche, mit neuen Sitzen und Tischen, Video- und Radioanlage ausgestattet.

Mit diesen Triebwagen will die KML auch größere Ausflugsfahrten außerhalb des Mansfelder Landes anbieten. Damit stehen der KML nunmehr 3 Triebwagen "Esslinger" Bauart zur Verfügung.

Der VT 407 wurde inzwischen ebenfalls mit neuen Türen und einem Behindertenlift ausgestattet. Der Güterverkehr kann leider seit der Einführung des reinen 2 Stundentaktes erst in den Abendstunden durchgeführt werden. Leider ist das Mitführen der Güterwagen mit den Triebwagen der KML nicht möglich, da die KML im Auftrag der DB Regio fährt und es zwischen DB Regio und Cargo keine Abstimmung für den Güterverkehr der KBS 337 gibt.

Am 21. Oktober wurde schließlich offiziell gegen 14.00 Uhr die sanierte "Wipperliese" im Beisein des anhaltinischen Verkehrsminister Dr. Heyer wieder in Betrieb genommen. Die KML nutzt diesen Anlaß der fertig sanierten "Wippertalbahn für ein kleines Fest. Damit ist die Zukunft der ca. 20 Kilometer langen Strecke gesichert. Gleichzeitig hat man den frisch rekonstruierten Bahnhof Klostermansfeld vorgestellt, wo der Verein Mansfelder Bergwerks Bahn e.V. seine neuen Vereinsräume bezogen hat und wo der genannte Verein auch die Fahrkartenagentur betreiben wird. Vor dem Bahnhof wurde durch das sogenannte landesweite Schnittstellenprogramm, eine Bus/ Bahn Schnittstelle mit ca. 700.000 DM vom Land unterstützt. Diese sorgt nun für kurze Umsteigebedingungen zwischen Bus und Bahn in Klostermansfeld. Für das kommende Jahr stehen besondere Aufgaben an. Im Mansfelder Land wird das 800 Jahre Mansfelder Bergbau Tradition gefeiert. Ohne diese hätte es diese Bahnlinien im Mansfelder Land nicht gegeben. Es werden so im kommenden Jahren mehr Besucherzahlen erwartet und man wirbt im Mansfelder Land mit den eigenen Bahnen mit 3 unterschiedlichen Spurweiten (Parkbahn Vatterode 500mmm, Mansfelder Bergwerksbahn 750 mm und "Wipperliese" 1435mm). Es bleibt der Wipperliese zu wünschen, dass der Erfolg dieser Bahn noch lange anhält und dieses positive Beispiel auch in anderen Regionen umgesetzt werden kann.

11/00 Inzwischen hat sich die Kreisbahn Mansfelder Land ordentlich etabliert. Ihr Angebot ist zuverlässig, der Service stimmt und die Fahrgäste sind zufrieden. Zum 80. Geburtstag der Wipperliese gab es sogar einen Dampfsonderzug, der sehr gut besetzt war. Hier kann ich nur Gratulieren.

Der 60. Geburtstag der Wipperliese - Fest vom 31.10.2000

So viele Leute hat der Bahnhof Klostermansfeld in der Gemeinde Benndorf lange nicht gesehen. Der 80. Geburtstag der Wipperliese hatte zum Reformationstag zahlreiche Eisenbahnfans angelockt. Aber auch viele ältere Einwohner der Anliegergemeinden hatten den Weg zum Bahnhof nicht gescheut, um das " Wipperlieschen " wieder mal mit einer Dampflok zu sehen, wie sie es aus ihrer Jugendzeit her kannten.

Der neue Triebwagen ist da

So warteten gegen 13 Uhr rund 200 Leute auf dem Bahnsteig auf das Eintreffen der Zuges, der aus Anlass des Jubiläums und wie Sonn- und Feiertags sonst auch üblich, von Helbra abfuhr. Herbert Teutsch, Leiter der Kreisbahn Mansfelder Land, von der die " Wipperliese" seit rund drei Jahren bedient wird, hatte für die Jubiläumsfahrt eine Dampflok der Baureihe 50 sowie einen alten Personenwagen von den Eisenbahnfreunden Staßfurt ausgeliehen.

Der Zug bestand aus der 503695, einem Bghw und den 3 Esslinger Triebwagen. Doch gerade einer dieser VT sollte seine Tücken zeigen. Beim zuletzt gekauften VT 405 ließen sich plötzlich in Helbra die Bremsen nicht mehr lösen. Laut Teutsch hat der vorherige Betreiber ein zweites elektrisches Bremssystem einbauen lassen, dessen Funktion nicht so schnell zu durchschauen war. So wurde dieser Triebwagen kurzerhand abgehängt und die Fahrt mit rund 50 Minuten Verspätung fortgesetzt. Viele Fahrgäste mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen, denn bereits in Helbra waren rund 400 Fahrkarten verkauft worden. Mit einem derartigen Ansturm wurde gar nicht gerechnet.

Es wird Abend in Klostermansfeld

In Wippra wurde der Zug von einem Männerchor empfangen. Eigens aus Anlass der Jubiläumsfahrt hatten die Mitglieder ein neues Lied einstudiert. So erklang dieses "Wipperliesellied" wie in alter Tradition, erstmals hier.

Allerdings wäre das gesamte Jubiläum der Wippertalbahn ohne das Engagement der Mitglieder des Mansfelder Bergwerksbahnvereins (MBB) nur halb so schön geworden. Denn dem Verein ist es zuzuschreiben, dass der Bahnhof Klostermansfeld als einziger an der Strecke der "Wipperliese" noch gut erhalten und bereits teilweise saniert ist. Seit der Verein seinen Sitz in die ehemaligen Diensträume der Bahn verlegt hat, sind die Bahnhofs- und Wartehalle in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Benndorf, auf deren Territorium der Bahnhof liegt, saniert und der Außenbereich irn Rahmen des Schnittstellenprogramms umgestaltet worden.

Am 31. Oktober war aber auch die Bahnhofsgaststätte geöffnet, es gab eine kleine Ausstellung im Empfangsgebäude, Souvinierverkauf, eine Modell - und Gartenbahnausstellung. An dieser Stelle muss auch nooch einmal Thomas Wedel gedankt werden, der sich für diesen Tag voll engagiert hatte und somit der 80. Geburtstag unserer Wipperliese ein Erlebinis wurde.

Seit 1996 ist die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) für den Nahverkehr auf der Schiene in Sachsen-Anhalt
zuständig. Im Auftrag des Landes plant, bestellt und finanziert sie den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV).
Der derzeit wichtigste Partner ist die DB Regio AG.
Zusammen mit anderen Verkehrsunternehmen - bei der "Wipperliese" die Kreisbahn Mansfelder Land GmbH - erbringt sie die bestellten Leistungen.
Die Strecke Klostermansfeld - Wippra liegt uns, der NASA und DB Regio AG, ganz besonders am Herzen. Wir wollen den regionalen Frem-
denverkehr im Wippertal stärken. Mit einem leistungsfähigen Nahverkehr leisten wir unseren Beitrag zur Förderung des Tourismus in
der Region. Hierzu gehören neben einem modernen Bahnhofsumfeld auch die Optimierung der Lage der Haltepunkte.
Mit der Wiedereröffnung der renovierten Strecke im Oktober 1999 wurde der Vorplatz des Bahnhofs Klostermansfeld (Gemeinde Benn-
dorf) fertiggestellt. Mit fast 700.000 DM aus dem Förderprogramm "Schnittstelle Bahnhof" des Landes Sachsen-Anhalt hat die NASA
den Ausbau des Bahnhofsvorplatzes zu einer modernen Schnittstelle zwischen Bus und Bahn gefördert.
Für kurze Wege werden später vier neue Haltepunkte sorgen, die die NASA bei der DB Regio AG bestellt hat. Nach Beendigung der Pla-
nungen und Bauarbeiten der neuen Haltepunkte Klostermansfeld "Schöne Aussicht" , Klostermansfeld-Einkaufszentrum und Mansfeld-
Schloss, sowie nach Verlegung des Haltepunktes Biesenrode wird die "Wipperliese" ihren Fahrgästen näher liegen und sie näher an ihre
Ziele heranbringen. Woanders hätte diese Strecke vielleicht keine Chance gehabt, doch dank des sehr agilen Verkehrsminister Dr. Jürgen Heyer ist die Flächenbahn in Sachsen-Anhalt Wirklichkeit geworden.

 

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