Über den Bandscheibenvorfall und chronische Rückenschmerzen

Die Wirbelsäule und Bandscheibe unterliegt im Laufe eines Lebens einem natürlichen Verschleißprozess, ähnlich des Verschleißes anderer belasteter Körperstrukturen, wie den Hüft- oder Kniegelenken. Zusammengefasst werden Erkrankungen, die in Verbindung mit diesem Verschleißprozess der Wirbelsäule stehen, als „degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule“ bezeichnet.
Der Bandscheibenvorfall und seine Folgen stellen ein schwerwiegendes Krankheitsbild dieser degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule dar. Sowohl das Erkennen eines Bandscheibenvorfalles als auch die Entscheidung, welche Therapieform im Einzelfall die Richtige ist, können sich als äußerst schwierig erweisen.
Viele Patienten haben schon von dem Krankheitsbild des Bandscheibenvorfalles gehört, Hintergründe, vorbeugende Maßnahmen und Behandlungsmethoden sind jedoch meist unbekannt.

Begrifflich unterschieden wird vom Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) die Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion). Hierbei drückt sich Bandscheibengewebe in den Rückenmarkskanal vor, wobei der äußere Ring der Bandscheibenstruktur jedoch noch intakt ist. Aus einer Bandscheibenvorwölbung kann sich ein Bandscheibenvorfall entwickeln. Die Beschwerden können nahezu identisch sein.

Der Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) wird im medizinischen Sprachgebrauch als Nucleus pulposis prolaps bezeichnet.
Durch einen Bruch der äußeren Ringstruktur der Bandscheibe kommt es zu einer Verlagerung von Bandscheibengewebe in den Rückenmarkskanal der Wirbelsäule (s.u.). Die Folge ist ein durch das Bandscheibengewebe gedrücktes und schließlich entzündetes Nervengewebe (Rückenmark, Nervenwurzel), welches zu erheblichen Beschwerden und Ausfallerscheinungen führen kann.
Bei den Bandscheibenvorfällen unterscheidet man weiter den gedeckten Prolaps, bei dem das hintere Längsband intakt bleibt vom sequestrierten Prolaps, bei dem es zu einem Austritt von Bandscheibenmaterial durch oder an dem Längsband vorbei kommt. Als Massenprolaps bezeichnet man ein massives Austreten von Material aus der Bandscheibe in den Rückenmarkskanal.
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Fast jeder Mensch leidet zumindest einmal im Leben unter Rückenschmerzen. Häufig sind bandscheibenbedingte Erkrankungen die Ursache.
Untersuchungen haben gezeigt, dass nach dem 30. Lebensjahr nahezu jeder Mensch Verschleißerscheinungen an seiner Bandscheibe aufweist. An behandlungsbedürftigen bandscheibenbedingten Erkrankungen leiden vorwiegend Patienten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Immer häufiger werden Bandscheibenleiden jedoch auch schon bei unter 30-Jährigen gefunden.
In der orthopädischen Praxis nehmen Bandscheibenerkrankungen einen dominierenden Platz ein. Fast 40% des Patientenaufkommens eines niedergelassenen Orthopäden befindet sich aufgrund Erkrankungen der Bandscheibe in Behandlung.
Auch sozialmedizinisch haben Bandscheibenerkrankungen eine immer größere Bedeutung. So sind in Deutschland ca. 20% aller Arbeitsunfähigkeiten auf Bandscheibenerkrankungen zurückzuführen und ca. 50% aller vorzeitig gestellten Rentenanträge werden mit bandscheibenbedingten Erkrankungen begründet.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Nicolas Gumpert

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